Archiv für August, 2007

UEBER DAS VER-WENDEN: Methode. Stadt. Akteure.

13. August 2007

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ÜBER DAS VER-WENDEN
Methode. Stadt. Akteure.

Diplomarbeit, 2004/2005

Die Diplomarbeit zeigt Möglichkeiten der Entwicklung einer möglichst universell anwendbaren architektonischen Entwurfsstrategie und Methode im urbanen Raum vor dem Hintergrund einer intensiven Auseinandersetzung mit einem abgesteckten, realräumlichen Terrain (dem Gebiet rund um die Gleisanlagen der Station Philadelphiabrücke Meidling, einem Transferknoten und Umsteigebahnhof im Südwesten von Wien). Ausgehend von Ansätzen sozial-räumlichen Denkens in der Soziologie und den Cultural Studies (Michel de Certeau, Pierre Bourdieu, John Fiske) werden in mehreren, voneinander abhängigen Durchläufen modellhaft Raumexperimente (in Form von ‚Konzeptmodellen’) durchgeführt. Dabei werden herrschende Bezüge zwischen dem exemplarisch gewählten ‚realen’ Ort, einigen ‚real-fiktiven’ AkteurInnen (insbesondere deren Alltagspraktiken) und dem großräumigen (sub-) urbanen Kontext simuliert und dargestellt.

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Poster

Locality remixed

13. August 2007

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locality remixed
Forum Stadtpark Graz, 2006
mit Maruša Sagadin

Ein im Straßenraum von Wien affichiertes Plakat, welches ein Konzert der Kastelruther Spatzen, einer äußerst populären volkstümlichen Musikgruppe aus Südtirol , in der Wiener Stadthalle (2006) ankündigt, wird zum Ausgangspunkt der Arbeit. Angesiedelt zwischen mediatisierter Vermarktung und einer in gängige Klischees gepressten Repräsentation von Ländlichkeit, zeigen sich spannende Verweise auf zeitgenössische Entwicklungen.

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…und hierbei wird ordentlich ‚remixed’: nicht nur in ihren Songs finden sich zahlreiche Verweise und Referenzen auf die postmoderne Lebensstile-Mischung, aktuelle Tendenzen transformieren und überformen auch Plakat und Cover. Dabei weicht das Bild der vor einiger Zeit noch unverzichtbar geglaubten Bergkette einer holistischen Astrologie-Scheibe, welche die einzelnen Köpfe der Bandmitglieder rahmt. Die Landschaft wird so vom spirituellen Zeichensystem aus dem Bild geschoben- ab in die metaphysische Virtualität. Auf der zentralen Werte-Achse des 21. Jahrhunderts liegen Spiritualität und Gesundheit (Hans Heiss) ganz nah beieinander, tauchen in den unterschiedlichen Raumsystemen wieder auf, werden insbesondere im Tourismus produktiv gemacht. In der „Spatzen“-Marketingstrategie werden traditionelle Glaubensvorstellungen und esoterische Konzepte ohne weiteres synthetisiert. Regionalität und Globalität berühren sich im „Kastelruther Spatzen“-Image direkt, sie bedienen sich simultan sowohl am Lokalen, als auch am Globalen.
Der Albumtitel „Zufall oder Schicksal“ schließlich, setzt auf Fremdbestimmtheit, vermittelt temporäre Sicherheit in Zeiten von wachsendem Individualisierungs- und Problemdruck. Doch fällt es schwer zu glauben, dass sich die „Kastelruther Spatzen“ dem Zufall oder Schicksal passiv hingeben.

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EXIT St. Pankraz: Aussen vor – On the Outside

13. August 2007

EXIT St. Pankraz – KERBL Ges.m.b.H.s
Eine Raststätte als Knotenpunkt transnationaler Migrationsrouten
mit Maruša Sagadin und Michael Zinganel
Projekt Text

Außen vor – On the Outside
9.6.2007 bis 12.8.2007
ACC Galerie Weimar

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Aufbau und Schema der Installation

Edge view

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Kreuzungspunkt Raststätte

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Akteurszeichnungen

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ACC Galerie Weimar
http://www.acc-weimar.de/ausstellungen/a2007/a172/index.html

Banca di Blanko

13. August 2007

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Banca di Blanko
Spielbank und Kommunikative Installation

Geschichte(n) vor Ort
eine Ausstellung im öffentlichen Raum rund um den Volkertplatz
10.06. bis 30.07.2007
Kunst im öffentlichen Raum Wien

Kunst als verbindendes Element – so lautet wohl der größte gemeinsame Nenner der gemeinsamen künstlerischen Aktivitäten von Maruša Sagadin und Michael Hieslmair. Wobei Sagadins und Hieslmairs Kunst-Verbindungen, die oftmals auf sozialwissenschaftlichen Recherchemethoden fußen und fast immer betroffene AkteurInnen involvieren, auf ganz unterschiedlichen Ebenen ablaufen: Sei es zwischen einem architektonischen Diskurs – die KünstlerInnen sind von ihrem absolvierten Erststudium her ArchitektInnen – und einer künstlerischen Praxis, zwischen Wien und Graz, ihren zentralen Wohn- und Arbeitsstädten, zwischen ruralen und urbanen Kulturen (Bühne Land, Graz 2006) oder zwischen mikro- und makropolitischen Raumordnungen (Saison Opening, Wien 2005). Die Liste ließe sich fortsetzen. Zentrales Anliegen – so die KünstlerInnen – sei ein Rückbinden globaler Phänomene auf den lokalen Kontext und ein Aufspüren überformter lokaler Prägungen im Globalen. Kurzum, Sagadin/Hieslmair beschäftigen sich mit Integration. Oft im Widerspruch zum herrschenden Zeitgeist. Etwa in Bezug auf Sitzgelegenheiten im öffentlichen Raum.

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Denn Parkbänke werden derzeit tendenziell eher entfernt, Sitzgelegenheiten derart konzipiert, dass sie eine längere Verweildauer unwahrscheinlich machen, auf Bahnhöfen patrouillieren Security-Dienste und am Grazer Hauptplatz – als kleines österreichisches Beispiel – versperrten Lorbeersträucher vor nicht allzu langer Zeit das Erzherzog-Johann-Denkmal und seine beliebten Sitzflächen. Ohne Zweifel, Herumsitzen und –lungern im zunehmend privatisierten öffentlichen Raum ist in der jüngsten Vergangenheit schwieriger geworden, die Shoppingmall, in der alle frisch, fröhlich, flott dem Konsum frönen und soziale Probleme vom Wachpersonal hinauskomplimentiert werden, zu einem gesellschaftlichen Leitprojekt avanciert. Sitzen nur in Verbindung mit Konsumieren.

Diesbezüglich ticken die Uhren am Volkertplatz in der Wiener Leopoldstadt noch etwas anders – ein Umstand, auf den auch Maruša Sagadins und Michael Hieslmairs „Banca di blanko“ verweist. Unweit des Marktes am Volkertplatz lädt ihre „kommunikative Installation“ – auf den ersten Blick ein länglicher, etwas ungewöhnlicher Tisch mit zwei Bänken – zum Verweilen ein. Ein Angebot, dass die migrantisch geprägte Nachbarschaft auch gerne annimmt. Kommunikationssituationen entstehen dabei allerdings nicht nur direkt am Tisch: Die Lage der Installation – direkt am Eingang des Ateliers von Sagadin und Hieslmair – erlaubt ebenso eine niederschwellige Kontaktaufnahme zwischen AnrainerInnen und KünstlerInnen, erleichtert Letzteren die Integration im Grätzel.

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Dies ist jedoch bloß eine Lesart der Installation. Denn mit Bemalung und in Konstruktionsdetails („doppelter Boden“) verweisen die KünstlerInnen auf einen Trend, der sich derzeit nicht nur im Internet, sondern ganz konkret u.a. auch im Viertel um den Volkertplatz beobachten lässt: Wettbüros und Glückspiel boomen, die Anzahl einschlägiger Lokale nimmt zu, eine Tendenz, die übrigen mit dem konstatierten Zurückweichen des öffentlichen Raums korrespondiert. Im Zeitalter einer nahezu dogmatischen Liberalisierung zieht sich der Staat zunehmend zurück, privatisiert bzw. kommerzialisiert öffentliche Räume und überlässt zuvor aus Gründen des Gemeinwohls reglementierte Bereiche nunmehr den Kräften des freien Marktes.

Durch seine doppelte Bezugnahme, der Andeutung von Glückspiel im öffentlichen Raum – und nicht wie üblich in privaten Lokalen – produziert „Banca di blanko“ eine subtile Widersprüchlichkeit, bricht sachte mit Erwartungshaltungen. Und kann bzw. könnte gerade dadurch Gespräche über soziale und kulturelle Grenzen hinweg anregen. Ohne dass kunstferne AnrainerInnen a priori verschreckt würden. Als kleiner kommunikativer Anker, der zu Gesprächen führen kann. Völlig unspektakulär, aber dennoch produktiv.

Text: Herwig G. Höller

Kunst im öffentlichen Raum Wien
www.publicartvienna.at

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